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Gerechtigkeit – etwas Absolutes? August 17, 2007

Posted by geraniol in Artikel 5, Bulgarien, EU, Folter, Gerechtigkeit, Libyen, Menschenrechte, Selbstjustiz.
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Justicia
Immer noch geht mir der Fall der bulgarischen Krankenschwestern durch den Kopf. Zuerst ein hochoffizielles Abkommen zwischen Libyen und der EU und dann das Eingeständnis: es wurde gefoltert. Mit Stromschlägen und Drohungen gegen die Familien. Darf soetwas durchgehen? Natürlich nicht, aber offensichtlich kann es das leider manchmal. Und genau darum geht es in diesem Blogeintrag.

Wie geht man mit einer Situation um, in der man betrogen wurde? In der die Gegenseite mit falschen Karten gespielt hat, aber davon kommt? Nur allzu gerne möchte man in solchen Fällen eine Art der Selbstjustiz erwägen. Wenn der andere unfair spielt, warum habe ich nicht auch das Recht die Regeln zu ändern? Ich bin ja – im Gegensatz zum anderen – interessiert an Gerechtigkeit.

So ein Denken ist nachvollziehbar. Denn es ist nicht schön, Ungerechtigkeit zu erfahren, und darüber hinaus womöglich noch ertragen zu müssen. Aber diese Disziplin ist meiner Meinung nach einfach notwendig und wir müssen uns in ihr üben. Auch wenn andere über ihren vermeintlichen Erfolg triumphieren.

Alleine schon deshalb ist das Erdulden von Ungerechtigkeit kein Zeichen der Schwäche – im Gegenteil. Und schließlich hat man ganz andere Mittel (bloggen ;-) ).
Nicht nur, dass auch alles andere sehr kindisch wäre: wie könnte es eine Form der Ordnung überhaupt geben, wenn jeder, der sich ungerecht behandelt fühlt, sich auf das Niveau einer Gerechtigkeit des Stärkeren herablässt?

Abdu’l-Bahá schreibt in den Beantworteten Fragen (Kap.76):

Die Rache nun ist, der Vernunft entsprechend, auch zu tadeln, weil durch Rache nichts Gutes für den Rächer gewonnen wird. Wenn etwa jemand einen anderen schlägt und der Geschlagene sich rächt, indem er die Schläge zurückgibt, welchen Nutzen hat er davon? Ist dies Balsam für seine Wunde oder ein Heilmittel für seinen Schmerz? Nein, Gott behüte! In Wahrheit sind beide Handlungen dieselben, beide sind unrecht; der einzige Unterschied ist der, daß die eine früher und die andere später erfolgte. Wenn darum der Geschlagene verzeiht, vielmehr wenn er in einer Weise, die der gegen ihn gehandhabten entgegengesetzt ist, handelt, so ist dies des Lobes wert. Das Gesetz der Gemeinschaft bestraft den Angreifer, aber es nimmt keine Rache. Diese Bestrafung hat den Zweck, zu warnen, zu schützen und Grausamkeit und Vergehen zu bekämpfen, damit andere nicht auch rücksichtslos sind.
Wenn aber der Geschlagene vergibt und verzeiht, zeigt er die größte Barmherzigkeit. Dies ist der Bewunderung wert.

Gerechtigkeit ist nichts Absolutes. Es ist eine Wissenschaft für sich, in der wir nicht aufhören können und dürfen, immer wieder zu neuer Erkenntnis zu gelangen. Bei aller Relativität können wir aber auf eines stolz sein: auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als minimalen Standard für Gerechtigkeit auf dieser Welt.

Artikel 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte August 16, 2007

Posted by geraniol in Artikel 5, Folter, Strafe.
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UN Logo der Menschenrechte
Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.

Quelle: UNHCHR